| Institut für Baubiologie + Ökologie Neubeuern IBN (Logo) | ||
![]() Institut für Baubiologie + Ökologie IBN
IBN-Webcode
Bitte geben Sie hier den fünfstelligen IBN-Webcode ein, um weitere Informationen aufzurufen: |
W+G Artikel
|
Aus: Wohnung + Gesundheit 136, Herbst 2010, S. 52-53Das Handy macht Schule! (Ilka Mutschelknaus) - VolltextversionSchulprojekt „Ständig unter Strom?“ startet in HamburgVon der Idee bis zur Durchführung ist es oft ein weiter Weg. Doch mit den richtigen Partnern, dem nötigen Durchhaltevermögen, einer guten Portion Realismus und dem passenden Zeitpunkt macht das Handy Schule! Politische Entscheidungen werfen manchmal positive Schatten voraus. Im Stadtstaat Hamburg steht eine große Schulreform an, die in weiten Teilen bereits die Schulen erreicht hat. In so genannten Profiloberstufen sollen fortan Schulfächer ab der 10. Klasse nicht mehr einzeln fachbezogen, sondern nach „Profil“ unter einem thematischen Dach zusammengefasst werden. Somit soll vernetztes Denken gefördert und die Schulen fürs 21. Jahrhundert fit gemacht werden. Globale wirtschaftliche Zusammenhänge, naturwissenschaftliche Problemstellungen und soziokulturelle Themen rücken dadurch in den Vordergrund. Darüber hinaus sollen die Schüler im Zuge der so genannten Primarschule nicht bereits nach der 4. Klasse sortiert, sondern erst nach sechs Jahren ihren Leistungen gemäß eingestuft werden, was die Integration leistungsschwächerer Kinder fördern soll. Weites Feld HandySolche Zeiten systemischer Veränderungen sind Initialzündungen für neue Wege! Ein guter Zeitpunkt, das von dem Baubiologen IBN Stephan Streil und der Pädagogin Sabine Metter mit viel Engagement etablierte IBN-Bildungsprojekt „Ständig unter Strom? Spannendes rund ums Handy“ in die Hamburger Schulen zu transportieren. Wir stellten die Idee des Schulprojekts, anhand des Produktes „Handy“ hochfrequente Strahlung und seine Auswirkungen mit Schülern messtechnisch zu bearbeiten, dem Regionalverband Umweltberatung Nord e.V. (R.U.N.) vor. Der R.U.N., bei dem wir aktives Mitglied sind, hat bereits mit anderen Schulprojekten Erfahrung und war sofort begeistert dabei. Wir stellten fest, dass die Profiloberstufe ein idealer „Nährboden“ für das weitreichende Feld „Handy“ ist: neben den gesundheitlichen Auswirkungen durch zunehmende hochfrequente Strahlung, sind die globalen Folgen dieses Massenprodukts aber auch die gesellschaftlichen Probleme durch beispielsweise Cybermobbing immens und sollten mit den Schülern unbedingt behandelt werden. Um neben der vielen notwendigen ehrenamtlichen Arbeit unser Projekt finanzieren zu können, haben wir mehrere Förderanträge gestellt und das Projekt auf zwei Jahre für 12 Unterrichtseinheiten ausgerichtet. Unsere Arbeit wurde belohnt: alle gestellten Förderanträge wurden genehmigt! Auch die Stiftung BAU, Neubeuern (www.stiftungBAU.de), beteiligte sich an der Finanzierung. Es zeigte sich auch da, dass das Thema „Handy“ weitreichende Interessenvertretungen anspricht: es betrifft Umweltschutz, Gesundheitsförderung, Gender Studies, Suchtprävention und Fairen Handel. Eine große Chance, das Thema weitreichend zu verankern, aber auch andere Fachleute hinzu zu ziehen. Außerschulischer LernpartnerWir nahmen Kontakt mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung auf, das außerschulischen Lernpartnern eine Plattform bietet, Projekte interessierten Lehrkräften vorzustellen. Da sich die Stadt Hamburg mit seiner Initiative „Hamburg lernt Nachhaltigkeit“ verpflichtet hat, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Rahmen der gleichnamigen UN-Dekade in der Gesellschaft zu verankern, werden ausgewählte Bildungsangebote allen interessierten Bildungseinrichtungen in einer Empfehlungsliste über das Internet und in einer Broschüre vorgestellt. Beim nächsten Qualifizierungsworkshop, der im September 2010 stattfindet, werden wir uns hierfür bewerben. Auf diesem Weg entstanden schließlich erste Kontakte mit den Schulen und eine erste konkrete Durchführung. StartschussAn der Kooperativen Schule Tonndorf starteten wir im Juni 2010 mit 7 Schüler/innen aus dem Profil Chemie und Geographie. In zwei Workshops konnten die Schüler/innen über den Alltags-Handygebrauch hinausschauen: wie wird technische Strahlung überhaupt messbar? Geht Mobilfunkstrahlung durch den Körper? Wie werden gesundheitliche Kontroversen geführt? Im zweiten Teil wurden die chemischen Elemente, die in einem Handy stecken unter die Lupe genommen und anhand eines sehr eindrucksvollen Dokumentarfilms von Germanwatch e.V. die Rohstoff- und Recyclingproblematik verdeutlicht. Wir regten die Schüler/innen an, eine Handyrecycling- Station an ihrer Schule zu initiieren und gaben ihnen hierfür einige Informationen an die Hand. Die Schülerinnen und Schüler begegneten uns offen und zeigten sich sehr interessiert. In der Abschlussrunde wurde deutlich, dass die Messstationen und die massive Problematik eines Massenprodukts sie nachhaltig beeindruckt hat. Das Konzept unseres Bildungsprojekts hat sich gleich beim ersten Anlauf bewährt: Einführend werden die technischen Felder und ihre Auswirkungen auf den Menschen anhand von Messstationen mit Messprotokollen veranschaulicht. Mit neu erworbenem technischem Verständnis wird im zweiten Teil entsprechend des Profils das weite Feld Handy und seine Auswirkungen beleuchtet. Dabei darf es durchaus auch anspruchsvoll und kontrovers zugehen. Positiver AusblickIm neuen Schuljahr wird es die
nächsten Projekte geben. Wir sind
selbst ganz gespannt! Es ist zwar ein
langer Weg von der Idee, ein Schulprojekt
zu etablieren über die Finanzierung
bis zur Durchführung, doch
mit motivierten Partnern, Lehrkräften,
Verbänden, Stiftungen, Behörden
und Eltern, die die Notwendigkeit
des Themas erkannt haben, kann
man durchaus Einiges erreichen.
Und jede Menge gutes Bildungsmaterial
zu dem Thema gibt es bereits
auch schon.
Um das Schulprojekt weiter zu etablieren,
werden von der Stiftung BAU
Neubeuern (Infos: www.die-baubiologen-hamburg.de/ schimmel-in-hamburg/textseiten/Flyer_ Handyschulprojekt.pdf und www.umweltberatung-nord.de/handy. html Hilfreiches Bildungsmaterial:„Schulkinder-Handykinder“, VDB Themenband „Handys. Spaß, Nutzen, Risiko?“, Heike Solweig Bleuel und Joachim Hönig, Verlag an der Ruhr „Folgen der Globalisierung der IT-Branche am Beispiel Handy“, Bildungsmaterial von GERMANWATCH |
| © 2012 Institut für Baubiologie + Ökologie Neubeuern IBN I Datenschutz I Impressum |