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Aus: Wohnung + Gesundheit 136, Herbst 2010, S. 41-43Kongress “Bioneers Global” in Europa (Petra Jebens-Zirkel) - VolltextversionNachhaltiges, von der Natur inspiriertes Handeln (Biomimikry)Nach über 20 Jahren in Kalifornien fand dieser Kongress zum ersten Mal in Europa statt (www.bioneers.org). Das übergreifende Thema war die Nachahmung und Inspiration durch die Natur (Biomimikry) im Wirtschaftsleben, in der Ökonomie, Technologie und im Führungsstil („leadership“). Besonders beeindruckend war die persönliche Atmosphäre des Kongresses, und dies trotz 305 Teilnehmern aus 31 Ländern. Die Zusammenkunft fand Anfang Juni in Antropia statt, einem im Grünen gelegenen anthroposophischen Zentrum, in der Nähe von Amsterdam. Der erste Abend begann mit einem direkten Kennenlernen („speed-dating“), wobei sich jede/r mit jedem für 10 Minuten austauschen konnte. Das Abendessen mit inspirierenden Vorträgen und Musik wurde in angenehmer Atmosphäre in einer gut restaurierten Burg genossen. Vorträge, Arbeitstreffen und persönlichen BegegnungenDer gesamte von Marcello Palazzi www.progressio.org gut organisierte Kongress war eine gelungene Mischung aus Vorträgen und Arbeitstreffen. Außerdem war viel Raum vorgesehen für persönliche Begegnungen in den Pausen, um Vernetzungen und Geschäftsbeziehungen herzustellen. Es wurde immer hervorragend für Getränke und Essen aus organisch-biologischem Anbau gesorgt und die gute Atmosphäre wurde durch klassische Musik unterstützt. Es gab eine Frauen- und eine Männer- Gesprächsrunde, wobei in jeweils geschütztem Rahmen erforscht und ausgedrückt wurde, was uns persönlich bewegt. In einem Podium über „Frauen in Führungspositionen“ („women leadership“) wurde deutlich, dass Frauen sich nun auch in leitenden Positionen einfinden und dass sie in der Umformung dieser Welt dringend notwendig sind. Muster müssen losgelassen werden und es benötigt Mut und Kraft, verwundbar zu sein und die Geschehnisse zu teilen. Die „Geburtshelfer“ der Bioneers- Gemeinde sind Nina Simons www. bioneers.org und Kenny Ausubel aus Kalifornien. Sie sprachen hoffnungsvoll über eine gemeinsame Zukunft, wobei wir von der Natur die jeweils nächsten Schritte lernen können, um z.B. die Ölabhängigkeit zu durchbrechen, was mit erneuerbaren Energiequellen schon längst möglich wäre. Biomimikry: Lernen von der NaturJanine Benyus, Biologin und Forscherin von Biomimikry, sprach über nachhaltiges Design, das von der Natur inspiriert ist www.biomimicryguild. com www.janinebenyus. com, www.asknature.org. Beschränkungen können wir als Herausforderung sehen, um zu neuen Lösungen vorzudringen. Die Natur bietet hierzu geniale Prinzipien. Zum Beispiel lehrt uns das Schwimmen der Fische in Gruppen, wie wir Windkraft besser nutzen können; die Beschaffenheit der Haifischhaut zeigt uns, wie wir mit einer Oberflächenbehandlung bei Flugzeugen Treibstoff sparen können; Schleimpilze demonstrieren uns, wie wir unsere Transportwege verbessern sollten. „Wie wäre es, wenn sich Städte wie natürliche Ökosysteme verhalten würden?“ Keine geraden Linien in der NaturJay Harman aus Australien Christine Loh aus Hongkong Peter Blom von der Triodosbank www.triodos.de fragt, wo jeder von uns sein Geld anlegt und ob es in wertvolle Projekte fließt. Wir sollten uns in die Zukunft hineindenken und uns bewusst machen, in welcher Welt wir leben wollen und worin wir langfristig investieren möchten. Baumleute heilen StädteAndy Lipkis von der Umweltgruppe „Treepeople“ (= Baumleute, www. treepeople.org) aus Los Angeles berichtete unter dem Titel „Natur und Gemeinschaft engagieren, um Städte zu schützen und zu heilen“. Im Moment vergeudet Los Angeles Ressourcen und alle Beteiligten arbeiten getrennt. Das Potenzial der Stadt besteht darin, alle Mitwirkenden ganzheitlich zu verbinden, neue Arbeitsplätze zu schaffen und Geldquellen für neu entstehende „grüne“ Technologien frei zu machen. Es gibt viele inspirierende Projekte der „Treepeople“. Zum Beispiel haben sie ein integrales, ganzheitliches Wasser-Management geschaffen, wobei die Stadt viel Geld sparte und sich auf diesem Sektor ökologisch wandelte. Bei einer anderen Initiative wurden an einer Stadtautobahn an einem Tag 300 Bäume zusammen mit 3.000 Freiwilligen gepflanzt. Aktionen sind immer möglich. „Ich empfehle Infrastrukturen, die die Natur imitieren, die erziehen und inspirieren und bitte arbeitet zusammen!“ Gebäude als RohmaterialienbankThomas Rau, deutscher Architekt mit Wohnsitz in den Niederlanden www.opai.eu, sprach über Gebäude als Bank von Rohmaterialien. Nickel ist schon zu 90 % abgebaut und von Kupfer und Zink verbleiben nur 55 %. Wir müssen einen bezahlbaren Reichtum schaffen und dabei die Gesamtkosten berücksichtigen. Wir sollten Dienstleistung kaufen, nicht aber den Apparat (für das Waschen bezahlen, nicht für die Waschmaschine); nicht als Besitzer tätig sein sondern als Produzenten oder Nutzer - so werden die Geräte haltbarer hergestellt. Wir leben auf einem Vulkan (Magma aus der Erdkruste) und unter einem Atomreaktor (Sonne): Es gibt kein Energieproblem. Wir verbrennen Rohmaterialien, die für immer verbraucht sind. „Seien wir kreativ, sparsam und behütend!“ Paul Stamets Gauthier Chapelle www.biomimicry. eu und www.greenloop.eu, referierte über die Auswirkungen, die 6,7 Milliarden Menschen auf die Erde haben, wobei multinationale Firmen wie z.B. Coca-Cola mit 1,2 Billionen US-Dollar Umsatz pro Tag und Facebook mit 175 Millionen, einen entscheidenden Einfluss haben. Wir müssen durch weltweite Vernetzung dem einzelnen Menschen die Macht zurückgeben und uns gleichzeitig über die Begrenzungen der Erde bewusst werden. Von den Materialvorräten gibt es z.B. nur noch 12 Jahre lang Terbium, 17 Jahre Gold und Zink, 31 Jahre Kupfer und 79 Jahre Eisen. Wir brauchen dringend einen Übergang zu anderen Werkstoffen. Das industrielle Paradigma: „heat, beat and treat“ (erhitzen, hämmern und behandeln) muss überwunden werden. Eine nachhaltige Gesellschaft braucht eine wirtschaftliche Basis von Sonnenenergie, Kohlenstoff-Fixierung und Verträglichkeit mit der Biosphäre. Die soziale Sphäre, die Umwelt und die Ökologie dürfen nicht mehr voneinander getrennt werden, wir benötigen eine ganzheitliche Anschauung. „Wende flexibles Denken an inmitten von funktioneller Vielseitigkeit und Fülle!“ Indianer lehren die Liebe zum LebenWas können uns die Ureinwohner Amerikas lehren? Melissa K. Nelson www.earthdiver.org und Dennis Martinez www.ser.org/ iprn/founder.asp führten aus, was das traditionelle ökologische Wissen zu Biomimikry beitragen kann. Die Eingeborenen studieren die Natur seit 40.000 Jahren, sie hatten immer die Gesamtsicht der Welt im Auge. Die steten Veränderungen sahen sie als das einzig Konstante in der Welt. Wir sollten wieder der Natur zuhören, einen Dialog beginnen und erst danach handeln. Ein ethisches Modell mit Biophilie (Liebe zum Leben) ist notwendig. Von Technologie und Kapitalismus geht eine Gefahr aus, wenn sie die Biomimikry mit Biotechnik gleichsetzen. Wir brauchen ein starkes Umdenken: Die Natur ist nicht Ressource, sondern ein Verwandter – nicht außerhalb von uns, sondern Teil von uns – nicht endlos, sondern begrenzt, wunderschön, nicht vorhersehbar und nicht kontrollierbar. „Dies ist eine sehr ernste Zeit, die Erde blutet.“ Wie schwer ist ein Gebäude?Greg Watson Alejandro Litovsky www.biosphereeconomy. com www.volans. com, sprach darüber, wie wir ein neues ökonomisches System erschaffen können. Es handelt sich darum, wie wir Marktlösungen mit ökologischen Methoden erweitern können. Wenn wir die großen Naturkatastrophen anschauen, wird deutlich, wie Natur und Ökonomie verbunden sind. Der Amazonas- Urwald pumpt jährlich 8 Trillionen Liter Wasser in die Atmosphäre. Die Firmen sollten sich zu einem ökologischen Fußabdruck gleich Null bewegen (Mathis Wackernagel, www.footprintnetwork.org). Die Biosphäre-Wirtschaft sollte zu mehr kooperativen Wertungen übergehen und Erfindungen nutzen, die auf der Natur basieren. Die folgenden Schritte wären möglich: Durch das um sich greifende Nichtfunktionieren der bestehenden Ordnung ergeben sich neue Gelegenheiten; Forscher beginnen zu experimentieren; neue Firmen werden gegründet und man beginnt, neue Werte zu schaffen; die kritische Masse und Partnerschaften erzeugen neue Märkte; das ökonomische System ändert sich zusammen mit kulturellen Veränderungen in ein nachhaltigeres. Andere Vortragende waren Bryony Schwan vom Biomimicry Institute www.biomimicryinstitute.org, Daniel C. Wahl www.ecovillagefindhorn. com/team/team.php und May East www.cifalfindhorn.org. Der Natur folgen mit Vernetzung über alle Fachgebiete hinwegEs wurde sehr deutlich, dass „Bio- Pioniere“ zusammenhalten, sich unterstützen und inspirieren sollten. Der Kongress war ein Appell für eine weltweite Vernetzung über alle Fachgebiete hinweg. Als Hauptgrund der heutigen Probleme wurden überholte Lösungen von gestern gesehen. Die Natur hat nie eine Energiekrise. Sie ist gut darin, Dinge zu minimieren, und diesem Prinzip können wir folgen. „Lasst uns mit Bescheidenheit denken und handeln.“ Es wurde klar, dass unsere Art zu denken und zu handeln einen radikalen Neubeginn erfordert, ganz im Sinne von Einstein: „Probleme kann man nie mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“. Wie würde es die Natur machen? Es gibt viel zu lernen und nur gemeinsam wird es möglich sein, schöpferische und nachhaltige Lösungen zu verwirklichen. Ende Oktober bis 2. November 2010 wird das nächste Europäische Zusammentreffen von Bioneers in Findhorn stattfinden. Näheres unter www.findhorn.org/bioneers. |
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