Deutsche Version I  I Version français I En Espanol I Glossar I RSS-Feeds I Kontakt I Impressum

IBN-Webcode

Bitte geben Sie hier den fünfstelligen IBN-Webcode ein, um weitere Informationen aufzurufen:

Wohnung und Gesundheit
W+G Artikel

Aus: Wohnung + Gesundheit 134, Frühjahr 2010, S. 56

Dachdämmstoffe in Öko-Test - Volltextversion

Stellungnahme IBN und VB (Verband Baubiologie e.V.)

In der Oktoberausgabe 2009 der Zeitschrift Öko-Test wurden Dachdämmstoffe bewertet. Dabei wurden u.a. Wärmedämmstoffe aus Glaswolle sowie ein Wärmedämmstoff aus Holzfasern, der mit PUR-Harzen (= Polyurethan) gebunden ist, mit “sehr gut” bewertet, während andere zum Teil nachwachsende Wärmedämmstoffe nur mit “ausreichend” oder “mangelhaft” bewertet wurden, z.B. weil Proben mikrobiell belastet waren oder sie Borverbindungen enthalten. Dieser Test führte bei so manchem Baubiologen und Naturbaustoffhändler zu Verwirrung und Verärgerung, zumal im letzten Öko-Test im November 2005 zum Teil noch andere Testkriterien galten und sich u.a. auch deshalb andere Testergebnisse ergaben.

Kein Marktüberblick

Viele verfügbaren und vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zugelassene und geeignete Wärmedämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wurden nicht getestet. Der Test ermöglicht deshalb keinen Marktüberblick.

Ökobilanz

Die Ökobilanz der Dämmstoffe (Verfügbarkeit der Rohstoffe, Energieaufwand und Risiken bei Transport und Herstellung, Entsorgung u.a.) spielte bei der Bewertung keine Rolle. Dabei können mittlerweile Ökobilanzen nach ISO 14040 mit anerkannten Indikatoren erstellt werden.

PUR-Harze

Bei PUR-Harzen, also Kunstharzen aus Polyurethan handelt es sich hier um isocyanatbasierte Kleber, die zunehmend auch in Wärmedämmstoffen aus Naturfasern enthalten sind. Hierauf wird mit keinem Wort eingegangen. Isocyanatbasierte Produkte halten wir aus ökologischen Gründen (siehe Punkt 2), aber auch aus toxikologischen Gründen für problematisch. Solche Chemikalien gehören nicht in Naturprodukte, zumal sie diese bei Verbrauchern in Misskredit bringen können.

Mikrobielle Belastung

Abgewertet wurden nachwachsende Wärmedämmstoffe u.a. aufgrund einer mikrobiellen Belastung der Proben bzw. der Existenz lebensfähiger Pilze und Bakterien... Dieser Bewertungspunkt ist neu und hat deshalb einige Hersteller “kalt erwischt”. Konsequenz darf keinesfalls sein, dass Naturdämmstoffe deshalb nun mit giftigen Bioziden und Fungiziden ausgerüstet werden. Vor allem aus Gründen der Gesundheitsvorsorge sollte es allerdings für die Hersteller selbstverständlich sein, dass ihre Produkte mit einer möglichst geringen mikrobiellen Belastung auf der Baustelle ankommen. Auch auf der Baustelle sollte darauf geachtet werden, dass eine mikrobielle Kontamination z.B. durch zu lange offene Lagerung in feuchtem Umfeld vermieden wird. Wichtig ist zudem, dass nachwachsende wie auch mineralische Wärmedämmstoffe fachgerecht richtig eingebaut werden, um Feuchtigkeit in der Konstruktion zu vermeiden.

Lungengängige Fasern

Vermisst wird auch eine Stellungnahme zur Faserproblematik z.B. von Mineralwolle, deren Fasern tief in das Atmungssystem vordringen können und deren gesundheitliche Auswirkungen wissenschaftlich nach wie vor nicht ausreichend sicher geklärt sind. Als Testkriterium lässt sich dieser Punkt deshalb allerdings nicht heranziehen. Auch Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen können durchaus ein Risiko vor allem für die Gesundheit der Verarbeiter sein. Generell sollte man bei staubigen Arbeiten einen geeigneten Atemschutz tragen, dieser reduziert das Einatmen von Staub und Fasern aller Art einschließlich evtl. vorhandener Binde- oder Flammschutzmittel. Borverbindungen

Einige Produkte wurden abgewertet, weil sie Borverbindungen enthalten. Diese werden als Flammschutzmittel eingesetzt, aber auch als Mittel zur Vermeidung von Schimmelbildung und zur Vorbeugung gegen Insekten. Aufgrund mangelhafter Datenlage zu Borverbindungen wie auch zu Alternativen halten wir diese Abwertungen zum derzeitigen Zeitpunkt für fragwürdig.

Fazit

Nach wie vor können und sollen viele nachwachsende Wärmedämmstoffe empfohlen werden. Nachwachsende Rohstoffe punkten auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene und werden Nachhaltigkeitskonzepten meist besser gerecht. Das IBN und der VB werden in Kooperation mit anderen Institutionen und Verbänden weiterhin an der Klärung der offenen Fragen arbeiten. Auch Öko-Test ist zum Dialog eingeladen.