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Institut für Baubiologie + Ökologie IBN

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Wohnung und Gesundheit
W+G Artikel

Aus: Wohnung + Gesundheit 133, Winter 2009, S. 35-36

Schimmelpilzsanierung nach Wasserschaden (Alfred Steinki) - Volltextversion

Im Badezimmer

Auch ein baubiologisches Haus ist nicht vor einem Schimmelpilzbefall sicher. Durch einen Wasserschaden im Dachgeschoß entstand ein versteckter Befall in sehr großem Ausmaß. Ein Baubiologe wurde mit der Untersuchung des Schimmelpilzbefalls beauftragt. Das Vorkommen des Schimmelpilzes ”Stachybotrys chartarum“ untermauerte die Dringlichkeit einer professionellen und gesundheitsverträglichen Sanierung.

Wasserschaden als Ursache

Über dem Fenster im Badezimmer des Erdgeschosses floss Wasser aus dem Dachgeschoss an der Wand herunter. Es wurde der Klempner geholt und die Quelle des Schadens gefunden. Der Anschluss für die Küche im Dachgeschoss und die Badewannenarmatur waren defekt. Das Wasser lief unter der Badewanne auf die Holzspanplatte (OSB) der Holzbalkendecke, dort zur Seite an die Außenwand und dann nach unten ins Erdgeschoss. Hinter den Wandfliesen war die Zellulosedämmung der Außenwand noch mehrere Meter vom Leck entfernt durchfeuchtet.

Baubiologisches Haus

Das Haus war vor 10 Jahren nach baubiologischen Kriterien erbaut worden. Die Außenwände sind in diffusionsoffener Holzblockbauweise erstellt. Auf der Innenseite ist zusätzlich eine Zellulosedämmung eingebaut, die mit Gipsfaserplatten beplankt ist. Raumseitig sind die Wände mit Kalkputz verputzt. In den Wohn- und Schlafräumen sind geölte Buche-Parkettböden verlegt. Im Wohnzimmer steht ein Kaminofen, der angenehme Strahlungswärme verbreitet. Für den Kunden war also schnell klar, dass die Sanierung des Schimmelpilzbefalls durch einen Baubiologen betreut werden sollte.

Schimmelpilzuntersuchung

Es wurde eine Klebefilm-Kontaktprobe genommen und ins Labor geschickt. Das Ergebnis: viel Myzel und vor allem sehr viele Sporen der Schimmelpilze von Aspergillus/Penicillium und Stachybotrys chartarum. Gleich war klar, dass hier höchste Vorsicht geboten war. Die erste Sofort-Maßnahme war die Abschottung der Badewanne und das Abdichten der Badezimmertür im Dachgeschoss.

Nach dem Bericht des Labors war eindeutig, dass die Sanierung des Schimmelpilzschadens von einer Fachfirma unter Beachtung aller notwendigen Schutzmaßnahmen durchgeführt werden musste. Dazu wurde ein Sanierungskonzept (inklusive Gefährdungsbeurteilung) erstellt, das als eindeutiger Arbeitsplan für die Arbeiten vorlag.

Zusätzlich wurde eine Raumluftuntersuchung mit einem Impaktor gemacht. Dabei wird ein definiertes Luftvolumen durch eine Düse angesaugt und auf eine Petrischale mit Nährboden gelenkt. Die Petrischalen werden im Labor bebrütet, ausgezählt und die Schimmelpilze bestimmt. Eine solche Raumluftuntersuchung dient als Nullprobe vor der Sanierung. Um den Sanierungserfolg zu überprüfen wird die Freimessung nach der Sanierung mit der Nullmessung verglichen.

Sanierung im Faschingskostüm

Die Ortschaft, in der das Wohnhaus steht, begeht jedes Jahr mit großer Begeisterung die schwäbisch-allemanische Fasnet (süddeutscher Karneval). Dadurch fielen die Sanierer in ihren Ganzkörperschutzanzügen und den Gasmasken nicht so sehr auf, wie zu anderen Jahreszeiten. Aber leider hatten sie bei den Sanierungsarbeiten auch nicht soviel Spaß wie die Narren. Die Sanierung wurde in Absprache mit dem Kunden so gelegt, dass dieser mit seiner Familie über das verlängerte Wochenende Fasching in Österreich feiern konnte.

Der Schaden selbst erwies sich während der Sanierung größer als angenommen. So wurden in Dach- und Erdgeschoss mehr als 20 m² Wand, Boden und Decke ausgebaut. Zwei Lagen Gipsfaserplatte, die Winddichtungsbahn und die Zellulosedämmung waren großflächig mit Schimmel befallen.

TOP – technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen

Bei jeder Schimmelpilzsanierung werden Sporen freigesetzt. Verschiedene technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen halten jedoch die Schimmelpilzbelastung während der Sanierungsarbeiten für die Bewohner, Nachbarn und Sanierer unter Kontrolle. Schleusen zum übrigen Wohnbereich, Unterdruck im Arbeitsbereich und das Filtern der Abluft mit HEPAFilter gewährleisteten, dass diese Sporen nicht in die restlichen Wohnräume eindringen konnten. Bei den Maßnahmen wurde darauf geachtet, ohne große Staubentwicklung zu arbeiten. Sichtbarer Schimmel wurde abgesaugt, die Gipsfaserplatten vorsichtig zurückgebaut und alles in Säcke verpackt. Am Ende war fast eine Tonne Material ausgebaut und entsorgt.

Das Fassadengerüst, das am Haus aufgestellt wurde, ermöglichte es, den Sanierungsbereich direkt von Außen zu betreten. Auch die kontaminierten Materialien wurden über das Gerüst entsorgt. Der Sanierungsbereich (Schwarzbereich) wurde während der kompletten Sanierung über 3 Tage hinweg ausschließlich durch das Fenster vom Gerüst aus betreten. Der restliche Wohnbereich (Weißbereich) wurde von den Sanierern nicht betreten.

Die persönliche Schutzausrüstung bestand aus Ganzkörperschutzanzug, Schutzschuhen, Handschuhen, Atemschutz mit Filterklasse FFP3 und Augenschutzbrille. Diese Ausrüstung wurde täglich gewechselt.

Desinfektion - Feinreinigung - Wiederaufbau

Nach dem Ausbau der befallenen Teile wurden die sanierten Räume mit Wasserstoffperoxid (10%) desinfiziert. Diese Maßnahme tötet die restlichen Schimmelpilze und Bakterien ab und zersetzt sie in Sauerstoff und Wasserstoff. Im Vergleich zu Desinfektionsmitteln auf Chlorbasis bleibt so kein gefährlicher Schadstoff nach der Sanierung in der Wohnung zurück.

Mit der Feinreinigung der betroffenen Räume wurden die Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Dabei wurden alle Decken, Böden und Wände mit dem Hepa-Staubsauger abgesaugt und alle wischbaren Flächen abgewischt.

Nach dem langen Wochenende kehrte die Familie wieder aus Österreich zurück. Die Fasnet war vorbei – die Sanierungsarbeiten ebenso. Die Anschlussarbeiten wurden zügig in Angriff genommen; die beiden Bäder erstrahlen heute wieder in gesundem Glanz.

Trotz der perfekten Sanierungsbedingungen (100% Trennung Schwarzbereich – Weißbereich, Unterdruck, Absaugung) ist eine Freimessung zur Qualitätssicherung immer angeraten. Der Kunde hat diese Freimessung allerdings nicht beauftragt.

Ein HEPA-Luftreiniger wurde noch über drei Monate im Haus aufgestellt, um mögliche noch in der Luft befindliche Schimmelpilzsporen herauszufiltern. Die Hausbesitzer haben die restlichen Wohnräume (Weißbereich) ebenfalls einer gründlichen Feinreinigung mit HEPA-Staubsauger und Abwischen unterzogen.

Netzwerk für die erfolgreiche Sanierung

Die Kooperation zwischen Kunde, Baubiologe, mykologischem Labor und baubiologischem Sanierer hat sich bei der Sanierung dieses Schimmelpilzschadens als wesentlicher Faktor für den guten Ausgang dieses gefährlichen Schimmelpilzbefalls erwiesen.