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Institut für Baubiologie + Ökologie IBN

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Wohnung und Gesundheit
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Aus: Wohnung + Gesundheit 132, Herbst 2009, S. 41

Rückblick Lehmbau-Praxis-Seminar des IBN (Carsten Berger) Volltextversion

Dem „Mythos Lehm“ hautnah auf der Spur

Ich respektiere, dass mein Papa es für reine Zeitverschwendung hielt und für eines Erwachsenen in keiner Weise für würdig erachtete, als ich ihm erzählte, dass ich am „Lehmbau-Praxis-Seminar“ des IBN auf dem Experimentiergelände der Uni Kassel teilzunehmen gedächte. Dieser Ausflug in die ganz besondere Welt des Bauens mit dem Werkstoff Lehm erbrachte mir wichtige Fähigkeiten, Erkenntnisse und Eindrücke für meine Arbeit als Baubiologe. Und diese Erfahrung kann ich jedermann/frau nur wärmstens empfehlen - auch meinem Vater.

Die Teilnehmer des Lehmbau-Praxis-Seminars 2009

Ich gebe zu, dass ich bislang einen gewissen Bogen um das Bauen mit Lehm gemacht hatte. Das lag nicht zuletzt daran, dass – wenn man 10 Leute nach ihrer Meinung und/oder ihren Erfahrungen mit Lehm befragt – 20 Aussagen auf den Fragenden hernieder prasseln und sich darunter auch das ein oder andere Vorurteil wiederfindet. Beispiel: „Jaja, Lehmputz im Haus – da kannst Du dann immerhin Dein Geld mit einer Champignonzucht verdienen“. Mut hingegen machten Hinweise auf die Qualitäten eines Lehmputzes bei der Bekämpfung von Gerüchen, Schadstoffen und Keimen oder aber Verweise auf die gute Abschirmung von Lehmziegeln gegen hochfrequente Strahlung (z.B. durch Mobilfunk) von außen.

über den „Tausendsassa“ Lehm zu erfahren, meldete ich mich also zu dem erwähnten IBN-Seminar zum Thema „Lehmbau“ vom 26. bis zum 30. Juni 2009 an der Uni Kassel an. Und gut 20 Kolleginnen und Kollegen taten es mir gleich, um vom Lehmprofi Dittmar Hecken alles Wissenswerte zum Thema in Theorie und Praxis zu erfahren. So lernten wir im Schnelldurchlauf die wesentlichen Einsatzgebiete kennen:

• Wie mische ich aus welchen Zutaten und für welchen Zweck die richtige Lehmmixtur? • Wie fertige ich eigenhändig ungebrannte Lehmziegel, die nach abgeschlossener Trocknung für alle gängigen Mauertechniken eingesetzt werden können? • Wie mauere ich eine „Nubische Tonne“? • Wie erstelle ich eine Wand aus Stampflehm? und • Wie verputze ich mit Lehm eine Wand?

Neben der umfangreichen, kaum im Wert zu ermessenden Praxiserfahrung vermittelte Dittmar Hecken den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in seiner amüsant-professionellen Art jedoch auch das nötige Hintergrundwissen: von den verschiedensten Lehmprodukten über Wärmeleitzahlen, einfachen Prüfverfahren zur Beurteilung von Lehmqualitäten über baurechtliche Grundlagen war das vermittelte Wissen sehr umfangreich. Ein weiteres Highlight war das gemeinsame Essen mit dem „Lehmpapst“ Prof. Dr. Gernot Minke sowie die sich zufälligerweise ergebene Möglichkeit, sein erstes eigenes Lehmwohnhaus von innen zu besichtigen.

Noch eines schaffte Dittmar Hecken: er nahm uns die Furcht, auch mal etwas falsch zu machen, er gab uns wertvollste Tipps, aus denen Jahre der Erfahrung sprachen, und er machte uns deutlich, wo die Grenzen des Lehmbaus liegen und welche Fallstricke in der Praxis auf Berater, Planer und Verarbeiter lauern.

Als Resümee bleibt zu sagen: nach diesem Seminar kann ich mit gutem Wissen und Gewissen offensiv Lehm für zeitgemäßes Bauen und Renovieren bei meinen Kunden propagieren. Und ich möchte an alle Baubiologen und Interessierte appellieren, sich ebenfalls dieses Seminar zu gönnen. Es macht Spaß und kann sogar ein wenig das einseitige Denken verändern.

Informationen nächsten zum Lehmbau-Praxis-Seminar finden Sie hier.