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Aus: Wohnung + Gesundheit 132, Herbst 2009, S. 32
IZMF – Ärztefortbildung in Stuttgart (Peter Hensinger) Volltextversion
15 Teilnehmer verlassen unter Protest den Saal
Das IZMF (Informationszentrum Mobilfunk, Werbeagentur der Netzbetreiber) hatte unter dem Titel „Mobilfunk
– Gesundheitsdebatte zwischen Ängsten und Wissen“ Ärzte und Angestellte des Gesundheitswesens an die
Uni Stuttgart geladen. Als prominentester Referent war Prof. A. Lerchl, oberster Strahlenschützer Deutschlands
für Mobilfunk, geladen. Damit war diese Veranstaltung auch ein Politikum.
Diskussion ohne Antworten
Gleich zu Beginn der Diskussion
fragte ein Teilnehmer Prof.Lerchl:
„Das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm
gestand ein, dass zu Kindern
keine Langzeituntersuchungen
vorliegen. Was werden sie als oberster
Strahlenschützer tun, um offene
Fragen zu klären? Haben Sie keine
Bedenken, dass Sie ein ähnliches
Dilemma riskieren wie bei Asbest
und Holzschutzmitteln? Wären Sie
als verantwortlicher Strahlenschützer
nicht verpflichtet, bei den vorhandenen
Hinweisen zumindest den
weiteren Ausbau des Mobilfunknetzes
zu stoppen, bis Ergebnisse von
Langzeitstudien vorliegen? Aus juristischer
Sicht reichen meines Wissens
Verdachtsmomente aus, um im
Rahmen der Vorsorgepflicht zu handeln.
In der Medizin müsste einem
Medikament bei solchen vorhandenen
Hinweisen die Zulassung entzogen
werden.“ ( eigene Mitschrift)
Keine konkrete Antwort.
Die Frage zu seinem Standpunkt zu
Forschungsergebnissen zur Hemmung
der Krebsreparatur (Belyaev,
2008), über die der Elektrosmogreport
berichtet, wurde gestellt.
Keine konkrete Antwort.
Fälschungsverdacht
Prof. Lerchls öffentlicher Behauptung,
die REFLEX-Studie stehe
unter Fälschungsverdacht, wurde
mehrmals vehement widersprochen.
Einer Teilnehmerin platzte nun der
Kragen: „Nach meinem Eindruck
haben Sie Herr Dr. Lerchl und Sie
Frau Dr. Herr versucht, eine Menge
Beruhigungspillen zu verteilen im
Sinne von „keine Gefahr, alles bestens,
alles Hysteriker“. Mich wundert
das auch gar nicht, wenn ich
mir auf der Einladung anschaue, wer
diese Veranstaltung trägt und finanziert
(die Mobilfunkindustrie), genauso
wie die meisten Forschungen,
von denen Sie hier berichtet
haben.
Ich finde es unverantwortlich, was
Sie da machen, besonders den nachfolgenden
Generationen gegenüber.
Es gibt noch keinerlei Forschungsstudien,
die nachweisen, dass es
ungefährlich ist, wenn Kinder, wie
heutzutage üblich, dauerhaft einer
allseitigen Bestrahlung ausgesetzt
sind. Dagegen gibt es genügend Forschungen
von namhaften Wissenschaftlern,
die dringend davor warnen.
Ich baue darauf, dass hier im
Raum intelligente Menschen sitzen,
die ihren Kopf selber gebrauchen
und auf derartige Veranstaltungen
verzichten können. Ich für meinen
Teil verlasse die Veranstaltung.“
(Bestätigte Mitschrift )
Podium: Frau Wiebusch (IZMF):
„Wollen Sie keine Antwort?“ Teilnehmerin:
„Von Ihnen nicht!“
15 Leute verlassen unter Beifall den
Saal.
Wie bei Amalgam-Veranstaltung
Eine andere Teilnehmerin schrieb
uns: es war wie auf einer Amalgam-
Veranstaltung von Degussa.
Wir meinen: der eigentliche Skandal
ist, dass die Landesärztekammer
für solch eine plumpe Werbeveranstaltung
auch noch Punkte vergibt.
Unser Fazit: es ist ermutigend, dass
sich viele Teilnehmer zu Wort meldeten
und wohl zum Erstaunen der
Entwarnungsmannschaft des IZMF
die Menschen einen Kopf nicht nur
zum Handytelefonieren, sondern
auch zum Denken haben und ihn
dazu benützten.  
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