 Institut für Baubiologie + Ökologie IBN
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Aus: Wohnung u. Gesundheit 128, Herbst 2008, S. 14-16
Nachhaltig sanieren (Winfried Schneider) |Volltextversion|
Wer kurzfristig denkt, zahlt drauf
Nachhaltigkeit bedeutet zukunftsfähige, dauerhaft positive Entwicklung. Als Renovieren (renovare = erneuern)
bezeichnet man Maßnahmen zur Instandsetzung von Bauwerken. Eine Renovierung, die lediglich den ursprünglichen
Zustand eines Bauwerks wieder herstellt, kann man nur sehr bedingt als nachhaltig bezeichnen.
Eine Sanierung geht über die Instandsetzung hinaus und schließt oft die Modernisierung ein, die auch Nutzungsanpassungen
und Eingriffe in die Bausubstanz erforderlich machen können. Dies kommt dem Begriff der
Nachhaltigkeit schon näher. Was gehört heute zu einer intelligenten und zukunftsfähigen Sanierung dazu?
Sanierungsbedarf
Für Wohnungen und Gebäude, die
älter als etwa 40 Jahre sind, ist in
der Regel eine komplette Sanierung
erforderlich. Oft trifft dies aber auch
auf noch neuere Gebäude zu, zum
Beispiel dann, wenn sie nach heutigen
Gesichtspunkten zu viel Energie
benötigen oder Nutzungsänderungen
anstehen. Steht aus den unterschiedlichsten
Gründen eine Renovierung
oder Sanierung an, sollte zusammen
mit geeigneten Baufachleuten eine
genaue Analyse angefertigt werden,
welche Maßnahmen sinnvoll sind
und welche nicht. Wer nichts tut,
riskiert Bauschäden und stellt den
Wohn- und Wiederverkaufswert
seiner Wohnung oder Immobilie in
Frage. Mittelfristig können so weit
höhere Kosten entstehen, als das laufende
fachgerechte „in Schuss halten“
der Immobilie.
Bauliche Maßnahmen
Nachhaltiges Sanieren bedeutet,
dass man bei allen Maßnahmen, wie
zum Beispiel Dach-, Mauerwerk-
Keller-, Fenster- oder Haustechniksanierungen,
nicht nur die Qualität
der Ausführung, sondern auch
die Lebensdauer einzelner Bauteile
sowie den Pflegeaufwand während
dieser Zeit berücksichtigt. Teppichböden
oder Laminatböden halten
häufig nur 10 bis 15 Jahre, ein Parkettboden
dagegen kann mehr als 100
Jahre halten. Eine billige Innentüre
ist in der Regel nach 10 bis 20 Jahren
ruiniert, eine gute Innentüre dagegen
macht auch nach 50 Jahren noch viel
Freude. Eine Dachentwässerung aus
verzinktem Blech oder Kunststoff
weist nicht selten bereits nach rund
20 Jahren erhebliche Mängel auf,
die mittlere Lebenserwartung einer
Dachentwässerung aus Kupfer oder
Titanzink beträgt rund 50 Jahre, diejenige
aus Edelstahl rund 100 Jahre.
Die Renovierung eines lackierten
Holzbodens ist meist erheblich aufwändiger
als eines geölten Bodens.
Abgesehen von der schwierigen Entsorgung
und den Umweltschäden
durch kurzlebige Baustoffe ist es
häufig mittelfristig billiger, auf Qualität
zu setzen. Hierzu gehört auch,
dass man nicht die billigsten Handwerker
auswählt, sondern diejenigen
mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis.
Ein angenehmes Arbeitsklima
auf der Baustelle und gute
handwerkliche Arbeit kann ein Leben
lang Grund zur Freude sein, auch das
ist nachhaltig und trägt dazu bei, dass
ein qualitätsorientiertes und menschliches
Handwerk erhalten bleibt.
Facility Management
Zunehmend entwickelt sich in der
Baubranche weltweit das „Facility
Management“ (FM) zu einer anerkannten
Disziplin. Betrachtet wird
dabei der gesamte Lebenszyklus
von der Planung und Erstellung bis
zum Abriss einschließlich Umbau,
Nutzungsänderung, Sanierung und
Entsorgung. Ziel ist die Erhöhung
der Wirtschaftlichkeit, die Werterhaltung,
die Optimierung der Gebäudenutzung
und die Minimierung des
Ressourceneinsatzes zum Schutz der
Umwelt. FM soll dadurch letztendlich
auch die Betriebskosten eines
Gebäudes reduzieren. Um dies zu
erreichen, muss ganzheitlich und
langfristig geplant werden. Im Verhältnis
zum gesamten Lebenszyklus
betragen die Betriebskosten (Kosten
für Heizung, Strom, Wasser, Sanierungen,
Pflege, Reinigung, Entsorgung
u. a.) häufig ein Vielfaches
der Planungs- und Erstellungskosten.
Ein Wohnungs- oder Hausbesitzer
wird sich selten einen „Facility Manager“ leisten können. Dennoch
sollte auch er seine Immobilie regelmäßig
prüfen (lassen), am besten
im Frühling und im Herbst, um
alle Schäden gleich beseitigen und
nötige Reparatur- und Pflegeleistungen
(z. B. neuer Anstrich, Austausch
von Hölzern) zeitnah ausführen zu
können. Schließlich ist die Reparatur
eines zu spät entdeckten Mangels
meist aufwändiger und teurer. Sinnvoll
ist es auf jeden Fall auch, einen
Zeit- und Kostenplan für die erforderlichen
Pflegeleistungen zu erstellen,
damit nichts vergessen wird und
man nicht von unerwarteten Kosten
überrascht wird.
Baubiologie
„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne
Gesundheit ist alles nichts“. Längst
hat sich herumgesprochen, dass
viele Menschen in ihrem Wohn- und
Arbeitsumfeld krank werden. Hierfür
können viele Gründe eine Rolle spielen
wie Gerüche und Giftstoffe aus
Baustoffen, Möbeln und Pflegemitteln,
schlechtes Raumklima, Elektrosmog,
Baufeuchte und Schimmel,
Radioaktivität, Lärm, Lichtmangel,
um nur einige mögliche Ursachen
zu nennen.
Zu einer nachhaltigen Sanierung
gehört deshalb auch, gesundheitliche
Aspekte mit einzubeziehen. Hierzu
können zum Beispiel die Baubiologischen
Beratungsstellen IBN kompetent
beraten.
Energetische Sanierung
Meist ist es sinnvoll, Instandhaltungsarbeiten
gleich mit energiesparenden
Maßnahmen wie Wärmedämmung,
dem Einbau neuer Fenster oder einer
neuen Heizungsanlage zu kombinieren.
In der Regel fordert dies auch die
Energieeinsparverordnung (EnEV)
und häufig erhält man hierzu öffentliche
Fördermittel und zinsgünstige
Darlehen z.B. von der KfW-Bank.
Ein saniertes Haus, das nicht heutigen
energetischen Ansprüchen
genügt, kann man nicht als nachhaltig,
also zukunftsfähig bezeichnen,
da abgesehen von der Umweltverschmutzung
den Nutzern die laufenden
Energiekosten über den Kopf
wachsen können.
Nicht selten werden bei energetischen
Sanierungen leider Maßnahmen
ergriffen, die sich auch langfristig
nicht amortisieren und/oder zu
gesundheitlichen Problemen führen
können. Meistens bleibt ungeprüft,
ob alternative Maßnahmen (zum
Beispiel Einbau einer neuen Pelletheizung
anstatt einer Außendämmung)
kostengünstiger und energetisch
effektiver wären. Und ebenso
passiert es immer wieder, dass fehlerhafte
Berechnungen zu Fehlentscheidungen
führen. Damit nur
sinnvolle energetische Maßnahmen
umgesetzt werden, sollte mit
Hilfe geeigneter Energieberater ein
Gesamtkonzept mit Wirtschaftlichkeitsvergleich
(Energieberatungsbericht)
erstellt werden. Baubiologische
Gebäude-Energieberater IBN
berücksichtigen neben baulichen
und energetischen Aspekten auch
gesundheitliche Aspekte wie Raumklima
und Schadstofffreiheit der verwendeten
Baustoffe.
Nutzungsänderung
Was ist, wenn meine Kinder aus dem
Haus sind? Was ist, wenn meine
Kinder später mal einen eigenen
Wohnbereich im Haus haben wollen?
Was ist, wenn ich durch Unfall,
Krankheit oder Alter meine Mobilität
verliere? Was ist, wenn ich mit
meiner Rente oder Pension meine
Miete oder die laufenden Kosten für
die Beheizung und Instandhaltung meiner Wohnung oder meines Hauses
nicht mehr bezahlen kann? Das sind
nur einige Fragen, die man sich bei
jeder Renovierung stellen sollte, um
in seiner Immobilie lange und angstfrei
leben zu können. Nachhaltigkeit
ist auch, wenn man an zukünftige
Lebenssituationen denkt und bei der
Planung möglichst viele Eventualitäten
mit einbezieht. Hierzu gehören
z.B. flexible Raumbezüge, einfache
Abtrennbarkeit von Wohnungs- oder
Hausteilen wie durch Vorinstallationen
für ein zweites Badezimmer, barrierefreies
und behindertengerechtes
Bauen, aber auch das Bauen mit langlebigen Baustoffen sowie energiesparende
Maßnahmen.
Häufig wird argumentiert, dass eine
eigene Immobilie im Alter mietfreies
Wohnen ermöglicht. Baufachleute
wissen jedoch, dass nach rund
40 Jahren in der Regel umfangreiche
und deshalb teure Sanierungsarbeiten
anstehen. Wichtig und nachhaltig
ist es deshalb, seine Immobilie
fachgerecht zu pflegen (siehe „Facility
Management“).
Finanzierung und Kosten
Der Sanierungsbedarf bei einer
gebrauchten Immobilie wird meist
erheblich unterschätzt. Nicht selten
kostet eine sinnvolle Sanierung mehr
als ein Neubau. Gerade deshalb ist es
wichtig, zusammen mit Baufachleuten
Varianten zu prüfen, Wirtschaftlichkeitsvergleiche
anzustellen und
dabei auch die laufenden Kosten für
die Beheizung sowie Pflege und Materialaustausch
bzw. bei Nutzungsänderungen
zu berücksichtigen.
Eine nachhaltige Sanierung sollte
auch nachhaltig finanziert werden.
Auch die Banken haben das Thema
„Nachhaltigkeit“ entdeckt. Mittlerweile
bieten einige Banken, wie
zum Beispiel die Umweltbank Nürnberg
oder die Schweizer Alternative
Bank ABS, vergünstigte Kredite für
Gebäude an, die baubiologisch und
energiesparend saniert oder erstellt
werden.
Fazit
Bei einer nachhaltigen Sanierung
sollten neben der einfachen Instandsetzung
viele weitere Aspekte
berücksichtigt werden. Als Laie ist
man in der Regel überfordert. Deshalb
macht es fast immer Sinn, professionelle
Beratungsleistungen in
Anspruch zu nehmen. Baubiologische
Beratungsstellen IBN sowie
Baubiologische Gebäude-Energieberater
IBN bemühen sich, neben
baulichen auch baubiologische, ökologische,
energetische und langfristig
wirksame ökonomische Aspekte
(Wirtschaftlichkeitsberechnungen)
zu berücksichtigen. Im Verhältnis zu
üblichen Sanierungskosten und möglichen
langfristigen Einsparungen ist
eine solche Beratung nicht zu teuer
und kann helfen, viel Geld zu sparen
und Ärger zu vermeiden.
Eine nach baubiologischen und energetischen
Kriterien sanierte Immobilie
erhöht den Wiederverkaufswert.
Umweltfreundliche Baustoffe,
Qualität, geringe Energiekosten und
ein gesundes Wohnumfeld werden
zunehmend nachgefragt und honoriert,
insbesondere von Menschen,
die Gesundheitsvorsorge betreiben
wollen, aber auch von denen, die
durch „Wohngifte“ bereits krank
geworden sind.
Wer renoviert, saniert oder anbaut,
sollte auch prüfen, ob im nachbarschaftlichen
Umfeld nachhaltige
Verbesserungsmaßnahmen möglich
bzw. nötig sind. Längst hat sich in
diesem Zusammenhang der Begriff
„Nachhaltiger Städtebau“ etabliert.
Dieser geht über die Sanierung einzelner
Gebäude hinaus und hat die
Verbesserung städtebaulicher, ökologischer
und sozialer Aspekte zum
Ziel. Insbesondere mit Blick auf die
Überschuldung des Staates, die Entwicklung
der Alterspyramide, die
überbordenden Kosten für Umweltschutz,
Energie und Gesundheit ist
es zunehmend wichtig, wieder enger
zusammenzurücken und sich um
nachhaltig funktionierende Nachbarschaften
zu kümmern (soziale
Mischung der Bewohner, Selbstversorgung
auch durch Gärten und
Schrebergärten, Arbeitsplätze vor
Ort, Betreuungsmöglichkeiten für
Kinder und Pflegebedürftige, regenerative
Energien und Abwasserentsorgung,
attraktives Wohnumfeld,
Lebensraum auch für Tiere und
Pflanzen usw.).
 
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