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Aus: Wohnung u. Gesundheit 127, Sommer 2008, S. 67-68
Michael Thiesen: Schallschutz im Altbau - Volltextversion
Kinder erwünscht
Gerade in der Altbausanierung stellt der Schallschutz ein wichtiges und komplexes, aber leider oft nur am
Rande behandeltes Thema dar. Insbesondere dann, wenn es sich um ein Mehrparteien- und Mehrgenerationenhaus
handelt, gelangt der Schallschutz ins Bewusstsein der Bewohner; hier sind die Bedürfnisse doch sehr
unterschiedlich: während Kinder spielen, möchte man eine Etage tiefer den Mittagsschlaf halten. Dieser Bericht
stellt eine kostengünstige, im Altbau praktikable Lösung vor, welche auch in Eigenleistung erstellt werden kann.
Ausgangssituation
und Sanierungsziel
Die Geschossdecken des 1907 erstellten
Massivbaus bestehen aus
16 x 12 cm Balken, verankert in der
Bims-Schwemmsteinwand (Schicht
1 in Abb. 1). Die unterseitige Beplankung
besteht aus Weichholzspalieren,
mit Strohlehm ausgefüllt und
raumseitig mit Kalkputz versehen.
Zwischen den Deckenbalken sind
Harthölzer in Nuten eingesetzt. Diese
wurden seinerzeit mit Strohlehm
abgedeckt und mit loser Bimsschüttung
aufgefüllt. Nach oben hin sind
Weichholzdielen auf die Balken genagelt
(Schicht 2 in Abb. 1). Obwohl
zuvor nicht messtechnisch bewertet,
kann aber davon ausgegangen werden,
dass es sich nach VDI 4100 um
Schallschutzstufe (SSt) I handelte:
Gehgeräusche waren deutlich hörbar
und wurden als störend empfunden
und laute Sprache war i.d.R. zu verstehen.
Aufgrund der geplanten Vermietung
des Erdgeschosses bei Nutzung des
OG durch eine Familie mit kleinen
Kindern lag das Hauptaugenmerk
auf der Minimierung des Trittschalls.
Damit war aber auch klar, dass die
Schallübertragung über Nebenwege
und der Körperschall bei gelungener
Trittschalldämmung an Bedeutung
gewinnen werden.
Einbau einer freitragenden
Schallschutzdecke
Die Wahl fiel schließlich auf eine
freitragende Decke, welche als
zweite Schale unter die Decke im
Bestand montiert wird und nicht
mit dieser in Kontakt stehen darf.
Der Aufbau inklusive der Wandanschlüsse
an die innen gedämmten
Außenwände (s. W+G 125, Seite
15 ff.) wird in Abbildung 1
skizziert.
Bei der horizontalen Ausrichtung der
Wandprofile (Schicht 4 in Abb. 1)
muss darauf geachtet werden, dass
kein Kontakt zwischen den Deckenprofilen
und der Decke im Bestand
besteht (gelber
Bereich in Abb. 1, s.
auch Abbildung 2).
Laut Herstellerangabe sollten „geeignete
Befestigungsmittel“ zur
Befestigung der Wandprofile ausgewählt
werden. Genau dies entwickelte
sich zu einer anspruchsvollen und
nicht ganz einfach zu bewältigenden
Aufgabe. Die schließlich ausgewählten
Dübel (10 x 160 mm) müssen
durch die Dämmplatten (Schicht 3
in Abb. 1) in das dahinterliegende
Bimsschwemmstein-Mauerwerk gesetzt
werden.
Hinsichtlich der Entkoppelung, also
der Vermeidung von Schallbrücken,
ist die Montage der Wandanschlussprofile
auf die 60 mm starken Holzfaserplaten
als Pluspunkt zu bewerten,
zumal aufgrund der erforderlichen
Länge der Dübel (160 mm) keine
speziellen Schallschutzdübel möglich
waren. Werden die U-Profile an eine nicht gedämmte (Innen-)Wand
montiert, erfolgt eine akustische
Trennung mittels eines elastischen
Klebestreifens.
Die freitragende Metallkonstruktion
(U-Profile aus nicht magnetischem
Weißblech) wird mit einer speziellen
Gipskartonplatte für erhöhte
Schallschutzanforderungen beplankt
(Schicht 4 in Abb. 1).
Auf die Gipskartonplatten werden
40 mm flexible Holzweichfaserplatten
(Schicht 5 in Abb. 1) aufgelegt,
welche einen längenspezifischen
Strömungswiderstand von 9-16 kPa
x s/m4 aufweisen. Diese seltsam anmutende
Kenngröße dient als Maß
für die Minderung der Luftströmung
in einem Hohlraum. Je höher der
längenspezifische Strömungswiderstand
desto besser die Schalldämmeigenschaften.
Für eine derartige
Konstruktion werden 5-20 kPa x
s/m4 bei einem Füllgrad von ≥ 60
% des Hohlraumes empfohlen. Der
ideale Füllgrad wurde in diesem Fall
aufgrund der maximal zulässigen
Flächenlast der Konstruktion nicht
realisiert. Desweiteren sollten die
Kosten der Konstruktion nicht zu
hoch liegen.
Die hier vorgestellte Lösung lässt
sich mit Materialkosten von etwa
12 €/m² für die Schallschutzdecke
(ohne Grundierung und Farbe)
und etwa 6,70 €/m² für die
flexible Holzweichfaserplatte
realisieren.
Ein voller Erfolg
Das Empfinden der Mieter wie auch
der Vermieter wurde aber nach der
Sanierung anhand der Klassifizierung
gemäß VDI 4100 unabhängig
voneinander abgefragt. Beide Familien
bescheinigen der hier vorgestellten
Lösung die Eigenschaften
der Schallschutzstufe III: Laute
Gespräche sind nicht verstehbar
und Gehgeräusche werden als nicht
störend empfunden. Auch der etwas
lauter angeschaute Lieblingsfilm
oder die spielenden Kinder (zur Mittagsschlafenszeit)
werden nicht als
störend empfunden. Andere Schallquellen,
deren Schwingungen in
Form von Körperschall über Nebenwege
übertragen werden, sind nach
Einbau der Schallschutzdecken tatsächlich
deutlicher wahrnehmbar.
Aber auch hier wird immer noch
die Schallschutzstufe III erreicht:
Nur selten stört in dem hier vorliegenden
Fall die Pumpe der Regenwasser-
Nutzungsanlage, welche
zwei Waschmaschinen, drei WC´s
und die gesamte Gartenbewässerung
versorgt.
Fazit
Mit der beschriebenen Schallschutzdecke
lässt sich auf baubiologischem
Weg ein erhöhtes Schallschutzniveau
im Altbau erreichen. Ein wesentliches
Element ist eine flexible
Holzfaserdämmplatte, auf Schallschutz-
Gipskartonplatten aufgelegt.
Die Materialkosten liegen unterhalb
20€/m². Je nach baulichen Gegebenheiten
kann die Montage durchaus
schwierig sein, ist aber in der Regel
gut und auch in angemessenem Zeitrahmen
zu bewerkstelligen. Eine
aufwändige Sanierung der alten
Decken (Risse, geringe Festigkeiten
usw.) oder eine Erhöhung des Fußbodenniveaus
durch eine Fußboden-
Trittschalldämmung entfällt. Ebenfalls
von Vorteil ist die schnelle und
ohne Schlitzarbeiten im Deckenbereich
durchführbare Erneuerung der
Elektroinstallation. Analog dazu besteht
auch die Möglichkeit, je nach
baulichen Gegebenheiten, eine zu
erneuernde Heizungsinstallation
über die Decke zu führen.
Da es sich bei der Unterkonstruktion
um nicht magnetisches Blech handelt,
tritt keine Verzerrung des natürlichen
Erdmagnetfeldes ein.
Alles in allem eine praktikable Lösung
mit gutem Kosten-Nutzen-
Verhältnis und mit dem Ergebnis
eines erhöhten Schallschutzniveaus
(Schallschutzstufe III) im Altbau
– Kinder erwünscht!
 
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