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Institut für Baubiologie + Ökologie IBN

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Wohnung und Gesundheit
W+G Artikel

Aus: Wohnung u. Gesundheit 126, Frühjahr 2008, S. 28-30

Wolfgang Maes: Standard der baubiologischen Messtechnik [Volltextversion]

Fragen und Antworten zum aktuellen SBM-2008

Seit 25 Jahren werden der Standard der baubiologischen Messtechnik (SBM) sowie die dazugehörigen Richtwerte für Schlafbereiche entwickelt, strukturiert und zuletzt in 2008 aktualisiert. Inzwischen gilt der Standard international als Maßstab für professionelle, ganzheitliche und interessenunabhängige Messungen in Häusern.

Wolfgang Maes, Standard-Initiator, Baubiologe IBN und Journalist DJV, beantwortet Fragen:

Wie fing es an? Wie entwickelte sich der Standard der baubiologischen Messtechnik?

Vor 25 Jahren fingen wir von der Baubiologie Maes an, die verschiedenen Einzelaspekte der baubiologi-schen Messtechnik zu strukturieren. In den Jahren danach entwickelten wir basierend auf unseren Erfahrun-gen in Zusammenarbeit und im Auftrag des Institutes für Baubiologie und Ökologie IBN einen Standard. Wissenschaftler, Experten, Ärzte und Kollegen standen uns zur Seite. Bald folgten die ersten baubiologischen Richtwerte für Schlafbereiche. Standard nebst Richtwerten wurden erstmals 1992 veröffentlicht. Die aktuelle Version heißt SBM-2008, sie ist die 7. Neuerscheinung und wird Anfang 2008 publiziert. Standard nebst Richtwerten und hierzu gehörigen Randbedingungen werden ab 1999 von einer zurzeit zehnköpfigen Sachverständigenkommission mitgeformt, mitgestaltet.

Wer wendet ihn heute an?

Heute gilt der baubiologische Standard überregional - unter anderem in Europa, USA, Kanada, Australien oder Neuseeland - als Maßstab für professionelle und unabhängige Messungen in Häusern. Baubiologen, Verbände, Institute, Labore, Messgerätehersteller... agieren auf seiner Grundlage. Betroffene, Ärzte, Umweltmediziner, Verbraucher- und Bürgerinitiativen... schätzen ihn als Orientierungshilfe. Politik, Behörden, Industrie, Gerichte... beachten ihn als Ergänzung und auch als provozierende Alternative zur etablierten Wissenschaft. Standard und Richtwerte sind Grundlage für eine Reihe von Fortbildungs- und Fachseminaren sowie zahlreiche Veröffentlichungen und Bücher.

Was macht ihn so besonders?

Der baubiologische Standard mit seinen drei übergeordneten Säulen A, B und C und insgesamt 18 Unterpunkten erfüllt den Anspruch der Ganzheitlichkeit. Er beinhaltet erstmalig alle hausgemachten physikalischen, chemischen, raumklimatischen und mikrobiologischen Risikofaktoren von Elektrosmog, Radioaktivität, geologischen Störzonen und Schall, über Wohngifte und das Raumklima bis hin zu Partikeln, Pilzen und Allergenen. Nichts wird übersehen. Die Richtwerte beziehen sich, ebenfalls weltweit erstmalig und nach wie vor einmalig, auf die empfindliche und besonders wichtige Schlaf- und Entspannungszeit und hiermit verbundene Langzeitbelastung.

Was ist der Anspruch, die Philosophie?

Anspruch ist, bei ganzheitlicher Beachtung aller Standardpunkte und sachverständiger Kombination der zahlreichen Diagnosemöglichkeiten die Quellen baubiologischer Auffälligkeiten identifizieren, lokalisieren und einschätzen zu können, mit dem Ziel möglichst unbelastete, gesundheitlich risikoarme, naturnahe Innenräume zu schaffen. Diesbezügliche Untersuchungen werden z. B. in Schlaf- und Wohnräumen, am Arbeitsplatz oder auf Grundstücken auf naturwissenschaftlicher Basis – mit Messgeräten vor Ort oder auch laboranalytisch – durchgeführt, ausgewertet und protokolliert. Bei Auffälligkeiten werden entsprechende Sanierungsempfehlungen erarbeitet. Die professionelle Erkennung und Minimierung solcher Risikofaktoren im individuell machbaren Rahmen, das ist Sache der baubiologischen Messtechnik.

Die Richtwerte bieten ein Optimum an Vorsorge speziell in einer – wie erwähnt – besonders entscheidenden und sensiblen Zeit der Dauereinwirkung, nämlich der nächtlichen Regenerationsphase. Auch die Richtwerte sind, wie der gesamte Standard, die Folge von tausendfacher Erfahrung, von vielen zusammengetragenen Fallbeispielen und Patientenschilderungen, und sie orientieren sich am Erreichbaren. Prinzipiell und übergeordnet gilt: Jede Risikoreduzierung ist anzustreben, das kann nicht schaden.

Was ist der Sinn der Richtwerte?

An erster Stelle vernünftige gesundheitliche Vorsorge. Das gilt speziell für besonders schutzbedürftige Personengruppen wie Kinder, Alte, Sensible, chronisch Kranke, Immunreduzierte, Krebspatienten... Aber auch für gesunde Menschen, die ihre persönliche Dosis umweltbedingter Standard der baubiologischen Messtechnik Fragen und Antworten zum aktuellen SBM-2008 Seit 25 Jahren werden der Standard der baubiologischen Messtechnik (SBM) sowie die dazugehörigen Richtwerte für Schlafbereiche entwickelt, strukturiert und zuletzt in 2008 aktualisiert. Inzwischen gilt der Standard international als Maßstab für professionelle, ganzheitliche und interessenunabhängige Messungen in Häusern. Wolfgang Maes, Standard-Initiator, Baubiologe IBN und Journalist DJV, beantwortet Fragen: Wohnung + Gesundheit 3/08 - Nr. 126 29 Risikofaktoren so niedrig wie möglich halten wollen.

Wie sind die Richtwerte entstanden, worauf basieren sie?

An erster Stelle – wie angedeutet – basieren sie auf Erfahrung. Wir haben die Reaktion von Menschen beobachtet, häufig kranke, wenn man ihnen nach langer Zeit, manchmal nach Jahren der regelmäßigen Einwirkung – speziell im Bettbereich – solche Belastungsfaktoren nimmt, sie entfernt, saniert. Oft war dann die Überraschung groß, denn mit dem Wegfall oder der drastischen Reduzierung von z. B. Elektrosmog, Wohngiften oder Pilzen wurden die Menschen bald wieder gesund oder zumindest viel gesünder. Das beflügelte uns, weiter zu untersuchen, zu experimentieren. Wenn eine größere Zahl von eindeutig und unmissverständlich erfolgreichen Fallbeispielen vorlag, trauten wir uns, erste Richtwerte vorzuschlagen. Kinder sind gute Beispiele, nicht nur weil sie besonders schutzbedürftig, sondern auch weil sie wenig Neigung zu Placeboeffekten zeigen und deshalb ein guter Indikator sind. Die Richtwerte werden in Absprache mit der Standardkommission und mit Ärzten und Kollegen immer wieder neuen Erkenntnissen angepasst. Wir tauschen uns ständig aus. Viele Richtwerte blieben über all die Jahre unverändert, haben sich bewährt, manche wurden korrigiert. Erscheint uns die baubiologische Erfahrung als nicht ausreichend, so orientieren wir uns auch an anderen sinnvollen Empfehlungen und Studien. Trotz aller Richtwerte: Maßstab für uns ist das Machbare und beim geringsten Zweifel die Natur.

Ist das wissenschaftlich nachvollziehbar?

Im erfahrungswissenschaftlichen Sinne ja, im streng wissenschaftlichen Sinne weniger. Die Schulwissenschaft geht häufig anders vor, setzt gesunde Menschen meist nur kurzer Belastung aus und beobachtet unter Laborverhältnissen die Reaktion. Alltag ist nicht Labor, Kurzzeit, nicht Langzeit, Wachphase, nicht Schlafphase, Erwachsener, nicht Kind, Kranker, nicht Gesunder... Das was wir gemacht haben und immer noch tun, ist beachtlich: Dauerbelastungen minimieren und aufpassen, was geschieht, das im Alltag, im Lebensumfeld des Menschen, am Schlafplatz, unter praktischen Bedingungen.

Warum so niedrige Richtwerte?

Niedrig ist relativ. Was ist hier der Maßstab? Gegenfrage: Warum von offizieller Seite so hohe Grenzwerte? Nur im Vergleich mit den schwindelerregend und verantwortungslos hoch gesteckten offiziellen und rechtlich verbindlichen Grenzwerten erscheinen unsere baubiologischen so niedrig, sind es aber in Wahrheit nicht, zumindest nicht überspitzt. Die baubiologischen Werte sind nicht niedrig um jeden Preis. Was wir fordern, ist in 95 % aller Fälle gut umsetzbar.

Schauen wir uns nur die niederfrequenten magnetischen Felder an: Die weltweit angewandte Computernorm TCO fordert mit Blick auf gesundheitliche Probleme 200 Nanotesla am Arbeitsplatz. Studien aller Länder warnen seit Jahrzehnten ab 200 nT vor Problemen von Alzheimer über Hirntumor bis Krebs. Die WHO erklärt nach Auswertung der weltweiten Wissenschaftsarbeiten 300-400 nT zum „potenziellen Krebsrisiko für Menschen“. Da liegt die Baubiologie im vernünftigen Rahmen, sie hält 20 nT für ideal, bis 100 nT für schwach, bis 500 nT für stark und alles darüber für extrem auffällig. Der offizielle rechtlich relevante Grenzwert ist aber 100.000 nT. Das meine ich mit verantwortungslos: 300 nT sind aus schulwissenschaftlicher Sicht ein Krebsrisiko und 100.000 nT erlaubt.

Schauen wir uns die niederfrequenten elektrischen Felder an. Studien zeigen, dass bei Dauerbelastung mit 10 Volt pro Meter das Kinderleukämierisiko, Krebs und andere Probleme ansteigen. Die PC-Norm fordert 10 V/m. Diese Feldstärke finden wir an jedem dritten Bett, und nicht nur dort. Die Baubiologie will 1 V/m, hält 5 V/m für schwach, 50 V/m für stark und noch mehr für extrem. Der Gesetzgeber mutet Menschen 5000 V/m zu.

Was passiert da beim hochfrequenten Funk? 10 Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter Strahlung sind zulässig, unglaublich. Es wurde wissenschaftlich x-fach nachgewiesen, dass sich bei einem Bruchteil dieser Größenordnung die Blut-Hirn-Schranken öffnen, EEG-Veränderungen zeigen, Krebstumore zunehmen, Zelldefekte passieren, Nerven geschädigt werden, Blutkörperchen verklumpen, das Immunsystem aus dem Lot gerät... Bei einem Bruchteil dieses Bruchteils reagieren Menschen mit Befindlichkeitsstörungen, Unwohlsein, Schlaflosigkeit... Da sich die zu Grenzwerten führende wissenschaftliche Einschätzung aber nur an der Wärmeentstehung orientiert, an der Frage, ob sich Körpergewebe im elektromagnetischen Feld erhitzt, sprich an thermischen Effekten, und da noch kein anderer Wirkmechanismus bekannt bzw. allseits akzeptiert ist, folgt die voreilige Annahme: ohne Erwärmung des Körpers kein Risiko.

Da spielt die Baubiologie nicht mit, wir Menschen sind doch keine Würstchen im Mikrowellenherd. Die Baubiologie will vor all den vielen nichtthermischen Folgen schützen, von Schlafproblemen und Kopfschmerz über Nervenreiz und Tinnitus bis zu Immundefekten und Zellschäden – von Lebensqualität ganz zu schweigen – und hält während der Schlafphase 0,1 μW/m² für anstrebenswert, für eine solide Forderung, bis 10 μW/m² für schwach, bis 1000 μW/m² für stark und noch mehr für extrem auffällig.

Es gibt inzwischen so unüberschaubar viele verschiedene Funktechniken und Modulationsarten, hunderte, und ständig kommen neue hinzu, wieder ohne jede Grundlagenforschung. Wegen der Rasanz der Neuentwicklungen kann es nicht immer ausreichende Erfahrung geben, da sollte besondere Vorsorge gelten, da können Richtwerte nur Orientierungshilfen sein. Deshalb gilt gerade hier: so wenig wie möglich!

Unsere besondere Kritik, Vorsorge und Vorsicht gilt nach wie vor speziell den gepulsten bzw. periodischen Funksignale (Mobilfunk, DECT...) und hier noch mehr den sehr niedrigen, im Frequenzbereich der Hirnströme getakteten Mikrowellen (WLAN...), die meineserachtens noch empfindlicher bewertet werden sollten, erste gesundheitliche Klagen weisen darauf hin, die Erfahrung der nächsten Zeit wird es zeigen. Außerdem gibt es zunehmende Fallbeispiele und wissenschaftliche Hinweise darauf, dass auch andere moderne Funkarten, die nicht so ins ‚reinrassige‘ stroboskopartige An- Aus-Pulsschema passen, mit bedenklicher Riskanz aufwarten, vielleicht noch mehr als bei der Pulsung. Ich denke an die neuen, breitbandigen Techniken wie UMTS.

Was wissen wir über Wirkungen Wirkungen? Noch recht wenig. Und über Wechselwirkungen unterschiedlicher Einflüsse? Gar nichts. Das gilt für den Funk wie für die meisten anderen Standardpunkte auch.

Die Baubiologie steht für besonderen Schutz?

Solange der politische, behördliche, wissenschaftliche und industrielle Maßstab für die biologische Bewertung von Funkbelastungen lediglich Wärmeeffekte sind, solange der Grenzwert für Magnetfelder bei 100.000 nT bleibt, obwohl die WHO von höchster Stelle 300-400 nT längst als Krebsrisiko erkannt hat, solange nach wie vor Pestizide in Kinderzimmern erlaubt sind, solange es keine verbindlichen Kriterien für Schimmel- und Bakterienbelastungen gibt, solange weiter Asbest abgebaut und eingesetzt wird, obwohl es schon Millionen das Leben kostete, solange ständig neue Erfindungen, z. B. beim Funk, bei der Chemie oder Nanotechnologie wieder ohne jedes Basiswissen um Risiken auf die uninformierte Menschheit und überforderte Natur losgelassen werden, solange ist es wichtig, dass wir aufpassen, dass es auch die Baubiologie und ihre Richtwerte zum echten Schutz des Menschen gibt. Wer wirklich Schutz will, kann viele wissenschaftliche Maßstäbe und Grenzwerte vergessen. Nach 25 Jahren Entwicklung ist die Baubiologie mit ihrem Standard eine ehrliche und vernünftige Orientierungshilfe zur Vorsorge, zum Schutz vor Risiken, so oft völlig unnötigen Risiken, und die Richtwerte sind wahrscheinlich das ehrlichste, was die Richtwertwelt zu bieten hat.

Baubiologie und Wissenschaft?

Wissenschaft ja, wenn sie dem Menschen dient, der Natur, dem Leben. Wissenschaft nein, wenn einseitige Interessen im Spiel sind, und das passiert oft: industrielle, politische, finanzielle..., wenn Wirtschaftswachstum wichtiger wird als Volksgesundheit. Baubiologie ist Wissenschaft, weil sie Wissen schafft, praktisch anwendbar, weil sie forscht, recherchiert, informiert, aufdeckt. Die baubiologische Messtechnik ist objektiv, reproduzierbar, arbeitet auf naturwissenschaftlicher Basis. Wissen schafft die Grundlage für Veränderung, Verbesserung.

Maßstab aller Aktivitäten im Rahmen der baubiologischen Messtechnik ist der Mensch, nicht die Industrie, nicht die Politik, nicht Grenzwerte, Verordnungen, nicht das Gesundheitsamt, nicht eine in allzu viel Theorie und fragwürdige Abhängigkeit verwickelte Forschung. Wir Baubiologen sind frei und pfeifen auf Wissenschaft, wenn sie den Menschen aus den Augen verliert und unkalkulierbare Risiken in Kauf nimmt, wenn sie zum Erfüllungsgehilfen einer nimmersatten Industrie wird. Baubiologie ist die notwendige Ergänzung, ein Wegbereiter für Forschung. Baubiologie bläst der Schulwissenschaft etwas mehr Praxisnähe ein, ein bisschen mehr Leben.

Baubiologie handelt, um Schaden zu begrenzen, das zügig, bereits bei ersten ernstzunehmenden Hinweisen, auch bevor der letzte schlüssige wissenschaftliche Beweis erbracht ist, denn das kann lange dauern, zu lange, bis es zu spät ist. Bei Asbest vergingen 100 Jahre von der Erkenntnis einer Krebsgefahr bis zu ersten akzeptablen Grenzwerten und schlussendlich einem Verbot. Bei Radioaktivität, PCB, PCP, DDT und anderen gefährlichen Einflüssen waren es ebenfalls viele, zu viele Jahrzehnte mit vielen, zu vielen Kranken. Baubiologie reduziert Risiken, hält Probleme nicht unter dem Deckel sondern legt Finger auf Wunden und bietet Heilung an, pragmatisch, ganzheitlich, verantwortungsbewusst und interessenunabhängig.

Die aktualisierten baubiologischen Richtwerte werden in der nächsten Wohnung + Gesundheit vorgestellt.