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Aus: Wohnung und Gesundheit 122, Frühjahr 2007, S. 71-73Paulus Johannes Lehmann: Nachhaltige Architektur und Baubiologie [Volltext]Rückschau auf einen internationalen Kongress in SüdtirolDas internationale Komitee für nachhaltige Architektur & Baubiologie veranstaltete vom 27. bis 31. Oktober 2006 in Schlanders/Südtirol nach rund zehn Jahren wieder einen Kongress mit hochkarätigen Experten und einem sachverständigen Publikum. Rund 800 Teilnehmer aus 17 Ländern der Erde folgten der Einladung. Die einzelnen Kongresstage standen jeweils unter bestimmten Fachthemen wie „Tag der Baubiologie“, „Naturfarben & nachwachsende Rohstoffe“, „Holzfachtag“, „Lehmfachtag“ und „Klimahaustag“. Ein Galaabend mit Südtiroler Spezialitäten und eine Podiumsdiskussion waren die glanzvollen Höhepunkte. Das originelle Rahmenprogramm vermittelte den Gästen tiefere Einblicke in das Leben und die historisch gewachsenen und gepflegten Besonderheiten Südtirols.
Der Kongress wurde eröffnet mit dem Einmarsch der Fahnenträger der siebzehn Delegationen. Professor Dr. Anton Schneider – Pionier und Vater der baubiologischen Bewegung und Leiter des 1976 von ihm gegründeten Instituts für Baubiologie + Oekologie (IBN), Neubeuern, – leitete den Eröffnungs-Festvortrag unter dem Motto „Baubiologische Entwicklung weltweit“ mit folgenden Worten ein: „Die Baubiologie hat die Aufgabe, eine gesunde Wohnumwelt zu schaffen, die menschenwürdig, sozial und ökologisch orientiert ist. Dies gilt nicht nur lokal. In einer Welt, in der sich die Länder der Erde immer mehr vernetzen, ist auch das Bauund Siedlungswesen nicht mehr national begrenzt. Der Auftrag für eine internationale Vernetzung des Bauwesens ergibt sich zunächst aus der ethisch bedingten Verantwortung im Rahmen der Baubiologie. Diese Initiative ist nicht zuletzt ein notwendiger Beitrag zum Weltfrieden, sowie zur Realisierung der Menschenrechte.“ Er geißelte die Hauptsünden im Wohnungsbaubereich, als da sind:
Es folgte eine stichwortartige Auflistung der baubiologischen Situationen in den Ländern Deutschland, Niederlande/ Belgien/Luxemburg, Frankreich, Spanien, Österreich, Chile, USA/Kanada und Indien. Allein in der Bundesrepublik wurden inzwischen über 3.000 Baubiologen vom IBN ausgebildet und über 100 Baubiologische Beratungsstellen anerkannt. (Näheres: www.baubiologie.de) Professor Schneider wurde für seine bahnbrechenden Pionierleistungen auf dem Gebiet der Baubiologie und Ökologie von den Veranstaltern durch eine Urkunde geehrt. Unter dem Motto „Lehmbau hat Zukunft“ stellte der Vorsitzende des Dachverbandes Lehm (DVL) e. V., Dr.-Ing. Horst Schroeder, Weimar, die Gründe heraus, die zu einer zunehmenden Akzeptanz des Lehms als Baustoff führten:
Der DVL hat als führende Lehmbau- Institution die international anerkannten „Lehmbauregeln“ sowie Infos über Lehmbau für Verbraucher herausgegeben und Ausbildungsgänge für die „Fachkraft Lehmbau“ mehrfach durchgeführt. (www.dachverband-lehm.de) Dipl.-Ing. Paulus Johannes Lehmann vermittelte anhand seines Öko-Modellhauses in Achberg bei Lindau/Bodensee und einer DVD den Eindruck, dass Lehm ein sinnlicher Baustoff ist, der sich sehr gut auch zur künstlerischen Gestaltung eignet. (www.oekohaus-achberg.de) Dipl.-Ing. Holger König, Dachau, berichtete vor allem über die von ihm aufgestellten Bewertungssysteme für Bauprodukte nach baubiologisch- ökologischen Kriterien. (Näheres: www.legep.de) Die Umweltmedizinerin Gudrun Gschwendt, Meran, wies auf Allergien und das Gefahrenpotential durch chemische Stoffe im menschlichen Umfeld hin und erläuterte die gängigen Analyseverfahren. Mag. Hildegund Mötzl, Physikerin und Geschäftsführerin am Österreichischen Institut für Baubiologie und -ökologie (IBO), stellte die Aktivitäten in Österreich vor:
wurde von Dipl.-Ing. Ulrich Röhlen interpretiert, wobei er die vielseitigen Qualitäten bei der Fachwerksanierung, Modernisierung und im modernen Holzbau herausstellte. (www.claytec.de) Dipl.-Chemiker Hans Werner Mackwitz, Leiter des Instituts für innovative Pflanzenforschung alchemianova, Wien, stellte unter dem Motto „Die Zukunft wächst nach“ eine Reihe von Möglichkeiten vor, über nachwachsende Pflanzenrohstoffe aus dem umweltzerstörerischen Dilemma herauszukommen. „KlimaHaus“ als Inbegriff von gestaltetem Innenraumklima und Wohnbehaglichkeit, erläuterte Ph. Dr. Dr.-Ing. Ruben Erlacher, Klausen, anhand der Parameter Raumlufttemperatur, -luftfeuchte, Oberflächentemperatur und Strömungsgeschwindigkeit, aber auch nach der Luftzusammensetzung, den Lichtverhältnissen und Farbwirkungen sowie nach den akustischen Einwirkungen, Gerüchen und Sauberkeit. (ruben@erlacher-info.com) Unter dem Motto „Auf die Zukunft bauen – Planen, Bauen, Wohnen im 21. Jahrhundert“ gab der bekannte Fernsehautor Dr. Franz Alt zukunftsweisende Antworten. (< href="http://www.sonnenseite. com)">www.sonnenseite. com Holz als nachwachsender Baustoff für Einfach- und High-tech-KonstruktionenUnter diesem Motto und dem Credo „Ohne Ökonomie ist keine Ökologie bezahlbar“ entfaltete Prof. hon. EPFL Dipl.-Ing. Julius Natterer, Etoy(CH), seine profunden Erfahrungen, die von den ökologischen Reserven eines nachhaltigen Waldbaus ausgingen und bis zu den neuesten Techniken im Holzbau reichten. Durch die Einführung von neuzeitlichen Messmethoden - wie Ultraschall - können nun die maßgebenden Werte, wie Elastizität, Spannung und Bruch und die jeweiligen echten Holzqualitäten zuverlässiger ermittelt und vermeidbare Kosten durch Überdimensionierung vermieden werden. Dabei spielt die ingenieurmäßige Weiterentwicklung des Baumaterials Holz, in Verbindung mit arbeitszeitsparenden Verbindungsmitteltechniken, bei möglichst hohem Vorfertigungsgrad eine entscheidende Rolle. (bcn.sa@vtxmail.ch) Dr. Norbert Lantscher, Direktor des Landesamtes für Luft und Lärm, Bozen, stellte das in Südtirol entwickelte Konzept des „KlimaHausÖffentlichkeitsarbeit Wohnung + Gesundheit 3/07 - Nr. 122 73 Öffentlichkeitsarbeit Projektes“ vor, das künftig auch nach ökologischen Kriterien optimiert werden soll. 30 Jahre Lehmbauforschung an der Uni KasselProf. Dr.-Ing. Gernot Minke, Kassel, berichtete über seine umfassenden Erfahrungen als Leiter des Forschungslabor für Experimentelles Bauen an der Uni Kassel. Dabei wurde an 35 Forschungsprojekten die sinnvolle Verwendbarkeit von Lehm und auch von Strohballen sowie Bambus bezüglich energie- und kostensparendem sowie klimaangepasstem Bauen gründlich erfasst und dokumentiert. (www.uni-kassel.de + feb@asl.uni-kassel.de) Prof. Arch. Georg W. Reinberg, Wien, stellte unter dem Motto: „Innovatives Bauen mit Holz“, mehrere von ihm gebaute beispielhafte Projekte vor, die auch eine zukunftsweisende Solararchitektur verkörpern. Nach den vorgestellten internationalen Projekten, die Mag. arch. Anna Heringer über ihr Schulprojekt in Bangladesh und Dr. Tsuneo Ishikawa, Tokyo, über die durch ihn initiierte und vom IBN maßgeblich geförderte Verbreitung der Baubiologie in Japan, zelebrierte Univ. Prof. Mag. arch. Peter Schmid, Eindhoven/NL, „Das Meta-Modell der Integralen Bio- Logischen Architektur“. (members.chello.nl/p.schmid) Dr. Arch. Werner Tscholl, Morter, stellte drei von ihm konzipierte Holzbauten vor, gefolgt von den grundlegenden Ausführungen Reinhold Holzers – Mitveranstalter des INTERCAB-Kongresses und Inhaber der Firma Baustoffmarkt HOLZER unter dem Leitgedanken Nachhaltigkeit – was ist das eigentlich? Sein einleuchtendes „Nachhaltigkeits- Dreieck“ verdeutlichte das Spannungsfeld zwischen Gesellschaft – Wirtschaft – Umwelt einerseits und der heutigen sowie den künftigen Generationen andererseits. Er spannte den Bogen zwischen Ethik – Religion und Nachhaltigkeit im Allgemeinen zu einer nachhaltigen Architektur und zukunftsweisenden Baubiologie andererseits und nannte dazu sechs für ihn besonders wichtige Kriterien. (reinhold.holzer@ holzer.it) „Die Einflüsse von Licht und seinen spektralen Bausteinen, den Farbstrahlen“ begründete Karl Albert Fischer, Wien, wobei er einer planlosen und konfusen „Farbeuphorie“ eine klare Absage erteilte. Er stellte aber heraus, welche tiefgreifenden Wirkungen Farben auf die Gesundheit, für ein entspanntes Wohnensemble, für Konzentration und Wohlbefinden, für öffentliche Zonen und schließlich für alle Lebensbereiche haben. Josef Kolb, Uttwil, berichtete als dipl. Zimmermeister aus seiner vielfältigen Holzbaupraxis im eigenen Ingenieurbüro. Rainer Warzecha stellte seine Projekte „Bauen und Spielen mit Lehm und Kindern“ vor (www.interglotz.de). Besonders begeisterte Mag. Art. Martin Rauch, Schlins, mit seinem „Lehmbau, die Kunst des nachhaltigen Luxus“, den er als bekannter Stampflehmbau- Künstler an einigen markanten Objekten demonstrierte. Es folgte die Darstellung des Architekten Manuel Reig unter den harmonikalen Aspekten der „Kunst des Wohnens und unserem Leben mit Räumen“, die er in einem separaten Seminar vertiefen konnte. – Dr. Hermann Fischer, Braunschweig, berichtete als derzeitiger Marktführer auf dem Sektor Naturfarben Grundlegendes über Naturfarben. (www.auro.com) Dr. Arch. Siegfried Camana – Mitveranstalter des INTERCABKongresses – beleuchtete das Grundsatzthema: „Was ist bio-ökologische Architektur?“ unter den Aspekten der Ethik, das Haus in uns und des nachhaltigen Hauses mit praktischen Beispielen zur Verdeutlichung. Er ermahnte zur Nachdenklichkeit und Mitverantwortung, mit dem Ziel, dass ein gesundes Haus auch als Präventivmedizin angesehen und viel mehr wertgeschätzt werden sollte, als das heute gängig ist. Paulus Johannes Lehmann Dipl.-Ing.
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