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Institut für Baubiologie + Ökologie IBN

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Wohnung und Gesundheit
W+G Artikel

Aus: Wohnung + Gesundheit 114, Frühjahr 2005, S. 64-65

IBN-Umfrage zu Lüftungsanlagen [Volltextversion]

Kontrollierte Lüftungsanlagen werden immer öfter eingebaut. Aus diesem Grunde hat das IBN vor rund zwei Jahren eine langfristig angelegte Umfrage gestartet. Dabei sollen vorhandene Lüftungsanlagen vor allem aus Sicht der Nutzer und nicht der Planer, Hersteller oder Installateure bewertet werden. Bislang haben wir 24 beantwortete Fragebögen erhalten. Diese Anzahl ermöglicht noch keine statistisch-gesicherte Auswertung. Deshalb soll diese Aktion fortgesetzt werden. Wir bitten alle Leser um Mithilfe und um Weitergabe der Fragebögen! Im IBN können Sie jederzeit Fragebögen anfordern oder auf den IBN-Internetseiten (www.baubiologie.de) unter der Rubrik "Aktuelles aus dem IBN" herunterladen.

Zusammenfassung

Die Zufriedenheit der Nutzer von Lüftungsanlagen ist hoch: 11 von 24 sind sehr zufrieden, 7 zufrieden. 23 nutzen noch ihre Anlage. 18 würden wieder eine Anlage einbauen lassen (bei 4 fehlen noch Erfahrungswerte). Bei denjenigen, die weniger oder gar nicht zufrieden sind, handelt es sich überwiegend um Nutzer von älteren Anlagen.

Aus baubiologischer Sicht fällt vor allem auf, dass 22 von 24 Nutzern noch nie eine Raumluftmessung bezüglich Mikroorganismen haben durchführen lassen. Auch die Antworten zu den Wartungkosten lassen darauf schließen, dass das Problembewusstsein in diesem Zusammenhang auf allen Seiten (Nutzer, Hersteller, Installateure) weitgehend unterentwickelt ist.

Als Hauptproblem werden neben den Anschaffungkosten akustische Störungen empfunden: Immerhin 10 Nutzer geben an, dass sie sich von Anlagengeräuschen gestört fühlen. 3 geben an, dass sich innerhalb des Hauses/der Wohnung über die Lüftungsanlage Lärm überträgt.

8 Nutzer haben Probleme mit trockener Luft. 3 geben an, dass von außen schlechte Gerüche (z. B. von Rauch oder Jauche) eingetragen bzw. innerhalb des Gebäudes Gerüche verteilt werden. Im Gegensatz zur Erwartungshaltung wohl Vieler scheint Zugluft kaum ein Problem zu sein; nur einmal wird dies angegeben.

Österreichische Studie zu Lüftungsanlagen Die Fachhochschule Kufstein Tirol, Studiengang "Facility Management", führte 2002 in Kooperation mit weiteren Institutionen eine technische Evaluierung von Wohnraumlüftungen durch. Es wurden dabei Messungen an 92 Anlagen in Österreich vorgenommen. Das Projekt lief unter der Programmlinie "Haus der Zukunft" des BMVIT.*

Die Ergebnisse sind durchaus vergleichbar mit der IBN-Studie. Knapp 80 % der untersuchten Anlagen wurden von den Besitzern selbst als "sehr gut" bzw. "gut" eingestuft. Auch hier sind Geräusche die Haupt-ursache für Unzufriedenheit. Als Resümee wird angegeben, dass die Lüftungsgeräte selbst in den wenigsten Fällen Anlass zur Kritik geben, sondern die Probleme meist in der allgemeinen Konzeption oder in unzureichenden Anlagenkomponenten und im steuerungstechnischen Bereich liegen.

Die häufigsten Probleme bei der Anlagenkonzeption:
  • Ungeprüfte Gebäudevoraussetzungen (Luftdichte),
  • Lärmprobleme aufgrund unge- nügender Dimensionierung der Rohr- bzw. Ventilquerschnitte bzw. fehlender oder ungenügender Schalldämpfer,
  • Unzureichende Luftführung in den Wohnungen,
  • Zu geringe Luftmengen und mangelhafte Einregulierung,
  • Beeinflussung von Feuerstellen im Wohnraum durch die Lüftungsanlage,
  • Beeinflussung der Lüftungsanlage durch Dunstabzugshauben,
  • Überströmöffnungen werden oft sehr stiefmütterlich behandelt. Die häufigsten Fehler bei einzelnen Anlagenteilen: Mangelhafte Luftansaugungen mit zu hohem Druckverlust,
  • Fehlender Kondensatablauf beim Erdwärmetauscher bzw. Lüftungsgerät,
  • Keine feuchtebeständige Dämmung der kalten Rohre (Frisch- und Fortluft) bzw. keine Dämmung der warmen Rohre (Zuluft und Abluft) im Keller,
  • Zu geringe Filterqualität und schlechte Wartung der Filter, Anlagen ohne (z. Tl. auch mit) Konstantvolumenstromregelung sind fast nie ausbalanciert,
  • Keine Anzeige für Filterwechsel im Wohnraum,
  • Fehlende bzw. ungenügende Geräte- und Telefonieschall- dämpfer),
  • Ungenügende Rohrquerschnitte (zu hohe Luftgeschwindigkeiten),
  • Ungeeignetes Verrohrungsmaterial (flexible Schläuche),
  • Falsche bzw. zu kleine Ventile. Einen weiteren Problempunkt stellen die nicht ausgenutzten bzw. teilweise falsch eingestellten regelungstechnischen Parameter dar. Hier herrscht teilweise auch Unsicherheit, welcher (individuelle) Wert wie eingestellt werden sollte (z. B. Temperatur für die Umgehung des Erdwärme- oder des Gerätewärmetauschers; welche Lüftungsstufe zu welcher Tageszeit?).
Fazit

Nach wie vor gilt, dass Lüftungsanlagen für kleinere Projekte (z. B. Einfamilienhäuser, Wohnungen) meist unwirtschaftlich sind. Eine sehr innovative Installationsfirma schrieb uns zu diesem Thema:

"Unsere Firma hat bis zum heutigen Tage noch keine zentrale Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung installiert, da bei den Berechnungen meist aus Platzgründen eine Anlage entsteht, die in ihrer Gesamtheit eine negative Energiebilanz aufweist. Eine Nischenlösung für die Lüftung einzelner Räume stellen Einzelraumlüftungsgeräte dar".

Die Entscheidung für eine Lüftungsanlage sollte vorrangig aus anderen Gründen getroffen werden, wie z. B. Raumluftqualität, Komfort, Vermeidung von Schimmel, Allergien, Außenlärm.

Trotz der positiven Bewertung von Lüftungsanlagen ist das IBN der Meinung, dass auch das manuelle Lüften für einen ausreichenden Luft-austausch ausreichend sein kann. Bei den heute üblichen dichten Bauweisen ist es allerdings von großer Wichtigkeit, sich über das richtige Lüften umfassend zu informieren.

Wohnraumlüftungsanlagen sind unter bestimmten Voraussetzungen eine gute Alternative und vor allem interessant z. B. bei vorhandenen Blütenstauballergien, Außenlärm, Nähe zu stark befahrenen Straßen oder Industrieanlagen oder auch aus Gründen des Lüftungskomforts.

Wichtig ist, dass die Anlagen von erfahrenen Fachleuten geplant und regelmäßig gewartet werden. Dezentrale Lüftungsanlagen (Einzelgeräte) können einfach gereinigt und gewartet werden. Baubiologen sollten die Nutzer von Lüftungsanlagen auf die Risiken hinweisen und geeignete Raumluftmessungen empfehlen.

* Weitere Infos: Dipl.-Ing. A. Greml,
A-6330 Kufstein (T. 0043-5372 71819-125) oder
www.hausderzukunft.at Arch. Winfried Schneider, IBN